
Nachhaltiges Bauen wird häufig mit CO₂-reduzierten Baustoffen, energieeffizienten Gebäuden, erneuerbaren Energien oder neuen Technologien verbunden. All diese Themen sind wichtig.
Ein wesentlicher Teil der Nachhaltigkeit beginnt jedoch unmittelbar im Baustellenalltag: beim verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen und bei der Vermeidung von Verlusten, noch bevor Materialien zu Abfall werden.
Die Größenordnung dieser Herausforderung ist erheblich. Bau- und Abbruchabfälle machen mehr als ein Drittel des gesamten Abfallaufkommens in der Europäischen Union aus. Dazu gehören unter anderem Beton, Ziegel, Holz, Glas, Metalle und Kunststoffe.
Auch global spielt der Bau- und Gebäudesektor eine wichtige Rolle. Laut dem UNEP-Bericht Global Status Report for Buildings and Construction 2024–2025 entfallen rund 32 % des weltweiten Energieverbrauchs und etwa 34 % der weltweiten CO₂-Emissionen auf Gebäude.
Nachhaltigkeit darf deshalb nicht erst dort beginnen, wo Materialien im Recyclingcontainer landen.
Sie beginnt bereits bei der Abfallvermeidung.
Abfall vermeiden, bevor Recycling notwendig wird
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Bauwesen setzt auf längere Nutzungszeiten, Wiederverwendung und die Vermeidung von Abfällen.
Die Europäische Umweltagentur weist darauf hin, dass Bau- und Abbruchmaterialien in Europa zwar in relativ hohem Umfang verwertet werden, ein Teil dieser Verwertung jedoch weiterhin auf Anwendungen mit geringerem Materialwert entfällt, beispielsweise auf Verfüllungen oder Recyclingmaterial im Straßenunterbau.
Für eine stärker kreislauforientierte Bauwirtschaft sind deshalb Abfallvermeidung, Wiederverwendung und eine möglichst lange Nutzung vorhandener Ressourcen von besonderer Bedeutung.
Auf der Baustelle bedeutet das vor allem gute Organisation.
Eine präzise Materialplanung kann Überschüsse vermeiden. Eine sachgerechte Lagerung schützt Materialien vor Beschädigungen. Sorgfältige Handhabung verlängert die Nutzungsdauer von Baustellenausrüstung. Reinigung und Wartung ermöglichen es, Schalungssysteme und andere wiederverwendbare Komponenten länger im Einsatz zu halten.
Einzeln betrachtet erscheinen diese Maßnahmen klein. Über viele Arbeitsabläufe und Projekte hinweg entsteht daraus jedoch eine relevante Wirkung.
„ZERO PIERDERI, EVITĂ RISIPA“ – Nachhaltigkeit in der Praxis bei RCBB
Mit diesem Ziel hat RCBB auf seinen Baustellen in Rumänien die interne Kampagne „ZERO PIERDERI, EVITĂ RISIPA“ – „Keine Verluste, Verschwendung vermeiden“ durchgeführt.
Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf dem richtigen Umgang mit Schalungs- und Gerüstsystemen.
Unsere Kollegen auf den Baustellen erhielten einen praxisorientierten Leitfaden mit konkreten Hinweisen zu Nutzung, Handhabung, Lagerung, Reinigung und Rückgabe der Materialien.
Die Idee dahinter war bewusst praxisnah: Ein sachgerechter Umgang mit Schalungen und Gerüsten kann Reinigungs- und Reparaturkosten reduzieren, Materialverluste verhindern, Transporte effizienter machen und gleichzeitig Sicherheit und Produktivität auf der Baustelle verbessern.
Nachhaltigkeit zeigt sich im Baustellenalltag
Wiederverwendbare Schalungssysteme zeigen besonders deutlich, welchen Unterschied der tägliche Umgang mit Materialien machen kann.
Träger sollten beispielsweise in ihren Standardlängen eingesetzt und nicht aufgrund kurzfristiger Anforderungen unnötig gekürzt werden. Auch Deckenstützen müssen fachgerecht ausgeschaltet werden, damit Beschädigungen und Verformungen vermieden werden.
Ebenso wichtig ist die richtige Handhabung von Schalungselementen. Geeignete Hebemittel und systemgerechte Anschlagmittel reduzieren das Risiko von Schäden. Beim Ausschalen sollten die vorgesehenen Werkzeuge verwendet werden, damit Rahmen und Oberflächen nicht beschädigt werden.
Auch die Lagerung spielt eine wichtige Rolle. Schalungselemente sollten nicht direkt auf dem Boden abgelegt werden, während kleinere Zubehörteile geordnet in dafür vorgesehenen Behältern gelagert und transportiert werden sollten.
Nach dem Betonieren kommt die Reinigung hinzu.
Betonreste, die unmittelbar entfernt werden, können sich nicht dauerhaft auf den Schalungselementen festsetzen. Auch Träger, Rahmen und Gerüste sollten vor ihrer Rückgabe gereinigt werden. So lassen sich zusätzlicher Aufwand und vermeidbare Kosten reduzieren.
Dahinter steht ein einfaches Prinzip:
Ein Material, das geschützt und erneut verwendet werden kann, muss nicht ersetzt werden.
Nachhaltigkeit braucht die Menschen auf der Baustelle
Technologie, Prozesse und Systeme können viel ermöglichen. Entscheidend bleibt jedoch, wie sie im Arbeitsalltag genutzt werden.
Deshalb sollte die RCBB-Kampagne nicht nur informieren, sondern die Kollegen aktiv einbeziehen.
Jede Broschüre enthielt eine individuelle Nummer für eine Verlosung und sollte von den Mitarbeitern aufbewahrt werden. Wer seine Broschüre aufbewahrte und Fragen zu den darin enthaltenen Informationen richtig beantworten konnte, hatte die Chance auf einen Preis.
Auf diese Weise wurde aus einer klassischen Informationskampagne eine praktische Lern- und Beteiligungsinitiative.
Die Schlussbotschaft der Broschüre fasst den Ansatz treffend zusammen: Eine saubere und ordentlich organisierte Baustelle hilft, Schäden und Verluste zu vermeiden und trägt gleichzeitig zu einem sicheren Arbeitsumfeld bei.
Weniger Verschwendung bedeutet auch mehr Effizienz
Die Vermeidung von Materialverlusten ist nicht nur eine Umweltfrage.
Sie ist ebenso eine Frage der Wirtschaftlichkeit und Baustellenorganisation.
Beschädigte Materialien müssen ersetzt werden. Verlorene Komponenten müssen neu beschafft werden. Verschmutzte oder beschädigte Systeme verursachen zusätzlichen Reinigungs- und Reparaturaufwand. Ungenaue Materialplanung kann zu Überbeständen und zusätzlichen Transporten führen.
Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz stehen deshalb nicht zwangsläufig im Widerspruch. Im Baustellenalltag verfolgen sie häufig dasselbe Ziel: Ressourcen möglichst sinnvoll einzusetzen.
Für RCBB bedeutet verantwortungsvolles Bauen deshalb auch, auf die vielen kleinen Entscheidungen im täglichen Baustellenbetrieb zu achten.
Materialien richtig einsetzen. Wiederverwendbare Systeme schützen. Verluste vermeiden, bevor daraus Abfall entsteht.
Denn nachhaltiges Bauen entsteht auch durch viele kleine Dinge, die jeden Tag richtig gemacht werden.
Weniger Verschwendung. Mehr Verantwortung.
